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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Umstieg von Stahlverdränger auf GFK-Schiff: Was beachten?



fabian87
03.08.2008, 12:43
Hallo liebes Forum,

meine Familie besitzt seit 8 Jahren einen holländischen Stahlverdränger (ca. 12m lang) aus dem Jahre 1983. Wir haben mittlerweile sehr viel Arbeit in das Boot gesteckt und es ist gut gepflegt. Kaum Rost, etc. Lediglich die Geringe Breite von 3,2m und ein relativ hoher Aufbau (und damit verbunden starke Krängneigung) breiten manchmal gewisse Schwierigkeiten. Außerdem ist das Boot kein Werftausbau, was den Pflegeaufwand noch einmal in die Höhe treibt.

Da uns dieser Pflegeaufwand mittlerweile etwas viel wird und meine Eltern nun zunehmend auch mit dem Boot zu zweit unterwegs sein werden, spielen wir schon länger mit dem Gedanken ein neueres Boot uns zu kaufen. Bisher war immer der Gedanke bei Booten wie zum Beispiel einer Boarncruiser, einer gebrauchten Linssen, etc. Nun sind wir im Urlaub über eine wunderbar gepflegte GFK-Jacht aus dem Jahre 1987 mit knapp 11m Länge gestoßen.
An der Platztechnischen Eignung des Bootes bleibt kein Zweifel und auch der Preis scheint gerechtfertigt, lediglich das hohe Alter und das Wissen um einen GFK-Rumpf lassen uns als eingeschworene Stahlschiffkapitäne etwas zurückschrecken.

Meine Frage in diesem Zusammenhang ist:

Was muss man als GFK-Boot-Neuling alles über ein Kunststoffboot wissen? Gibt es Dinge die zu beachten sind, Dinge die man auf keinen Fall machen darf, usw.?

Als Kapitän eines älteren Stahlschiffes wird man, auch aufgrund einer etwas eingeschränkten Manövrierfähigkeit, irgendwann etwas lockerer eingestellt zu Berührungen mit Dalben oder ähnlichem. Riskiert man bei Kunststoff hier sofort einen Gelcoat-Schaden? Wie haltbar ist so ein Gelcoat? Wir schleusen bei unserem Stahlverdränger z.B. immer über den Mittelpoller. Sind die Pollerbefestigungen so stabil, dass man das machen kann?

Unsere Hauptfahrgewässer sind die holländischen Gewässer wo zumeist viel Schlamm zu finden ist und wenig Steine. Gerade im letzten Urlaub ist es aber auch einmal vorgekommen, dass wir an einem Ufer festgemacht haben, wo unser Boot seitlich leichte Grundberührung mit der Uferbefestigung (Steine) hatte. Kann man so etwas entspannt sehen oder muss man da sehr aufpassen?

So, Fragen über Fragen, ich hoffe ich habe euch damit nicht erschlagen und ihr könnt mir vielleicht ein bisschen helfen. Vielen Dank für die Antworten aber schon einmal im Vorraus.

Gruß,
Fabian

fabian87
04.08.2008, 17:20
Keine Hilfe in Sicht?;)

bootpik7
11.08.2008, 16:39
Hallo Fabian,

ich habe mehr als 20 Jahre "Stahl" (gute 18 to) fahren dürfen. In 2002 bin ich dann auf GFK umgestiegen, Baujahr 1978, 6,5 to, 33" lang, 3.75 mtr. breit, 2 Maschinen.
Und ich bin begeistert. Absolut pflegeleicht -wenn man einmal "Grund" reingebracht hat.
Überlege Dir die Antriebsart. Verdränger laufen auch dann noch dem Ruder nach wenn die Schraube nicht mehr dreht. Häufig findest Du bei GFK-Booten in der Größe aber Z-Antriebe. Zum Steuern + Manövrieren super so lange Du Vortireb hast; also eingekuppelt. Sobald Du auskuppelst handelst Du mit Kartoffeln; d.h. das Ding macht mit Dir was es will. Bugstrahler ist ab 30" ein MUSS, bei Wellenantrieb sollte noch ein Heckstrahler eingebaut sein denn die Windanfälligkeit ist wesentlich größer als beim Stahl-Langkieler.
Und da wir alle nicht jünger werden steht, zumindest bei mir- die Sicherheit an erster Stelle. Ich muß ja nicht mit den Dingern manövrieren, im Ernstfall stehen sie mir aber zur Verfügung und das gibt eine ganze Menge Ruhe.
Einmal bei Querwind in eine unbekannte Box und Du willst die Dinger nicht mehr missen.

Achtung: was beim Stahl der Rost ist beim GFK die Osmose. Wenn Du ein Schiff gefunden hast in JEDEM FALL von einem Sachverständigen begutachten lassen. Die gibt es in NL an fast jeder Straßenecke. Google mal nach HISWA, da wird Dir geholfen. Die paar Euro für das Gutachten sind in jedem Fall gut angelegtes Geld.

Jedes Boot hat eine Scheuerleiste, die ist für den Schutz der Außenhaut gedacht und kann dafür auch genutzt werden. Und Fender sind auch nicht zu verachten.
Ach übrigens: Schleusen tut meine bessere Hälfte mit großem Vergnügen nur mit der Mittelklampe. Links und rechts davon jeweils einen guten Fender hängen und die Schleusung entspannt genießen denn: 6,5 to sind halt einfacher zu händeln als 10 to Stahl.

Viel Spaß beim Suchen. Was habt Ihr Euch denn so angesehen. Herstellerdaten und Fotos würden Dir mit Sicherheit mehr Resonanz bringen, dann kann die Erfahrung der Eigner die bestimmt weiterhelfen.

Gruß Heinz

fabian87
12.08.2008, 20:25
Hallo Heinz,

vielen Dank für deine Antwort. Zunächst muss ich sagen, dass sich das Thema mit diesem Boot mittlerweile erledigt hat. Wir waren am vergangenen Wochenende zwar wild entschlossen den Kauf über die Bühne zu bringen, aber eine sehr, sehr detaillierte Untersuchung des Bootes brachte uns schließlich die Überzeugung deren Vorahnung uns schon von Anfang an als wir das Alter des Bootes sahen begleitet hatte, dass man dem Boot trotz des erstaunlich guten Gesamtzustandes an allen Ecken und Enden mittlerweile die 21 Jahre angesah.
Es wurde viel am Gelcoat gemacht, was durch verschiedene Färbungen gut sichtbar war, Dichtungen an Luken waren porös und auch an denn Verschraubungen der Relingstützen waren wenige Stellen die nicht (wennauch durchaus fachmännisch) repariert gewesen wären. Lacke an viel beanspruchten Stellen waren rauh und hätten aufgearbeitet werden müssen. Da das etwas im Gegensatz dazu stand was wir uns erhofft hatten (etwas mehr Arbeitsentlastung) haben wir schließlich doch etwas schweren Herzens vom Kauf abgesehen.

Bei dem Boot handelte es sich um eine Neptunus 106 in Sneek/Nl. Ausgestattet mit allerlei Zubehör wie einem GPS-Plotter, Beiboot, 5kW-Fischer-Panda-Generator, Heißwasserboiler, Ceranfeld, Mikrowelle, 2 Volvo-Penta mit 200PS, Eberspächer Dieselheizung, Bugstrahlruder, Funk, fast neuer Persenning, etc. pp Verkaufspreis wären im Endeffekt ca. 115t€ gewesen welches sicher kein schlechter Preis in Anbetracht des sehr guten Gesamtzustandes war. Wie gesagt, es schied für uns im Endeffekt aus, da es irgendwie für uns doch ein Schritt in die falsche Richtung gewesen wäre.

Dennoch ist es glaube ich nicht unbedingt müßig über GFK-Schiffe hier zu reden, steht für uns doch der Verkauf unseres alten "Eimers" fest, sodass wir schon in der nächsten Zeit ein neues Schiff kaufen möchten, was ja durchaus auch ein GFK-Boot sein könnte.
Das mit dem Gutachter hatten wir uns auch schon überlegt, denn gerade als GFK-Laie sollte man doch vielleicht etwas auf ein Expertenurteil geben.

Wir suchen ein Schiff, welches unsere alte, geräumige Succes ersetzen kann, gutmütiger zu steuern ist, weniger krängt, vielleicht zwei Maschinen hat (die nicht einmal übermäßig groß sein müssen), sodass auch etwas weitere Fahrten zu küstennahen Inseln, etc. möglich sind.
Ob Stahl oder GFK ist uns eigentlich gleich, es sollte einen sehr guten Pflegezustand haben, zwischen 10 und 13m lang sein, Platz für 4 Personen bieten (es bietet sich so natürlich ein Boot mit Achterkajüte an und weniger mit offener Plicht), 230V-Bordnetz bieten (evtl. Generator), Platz für ein Beiboot bieten, min. Bugschraube, bei einer Maschine evlt. auch Heckschraube besitzen, kein Baujahr vor 1995 sein und in jedem Falle eine separate Nasszelle für die Dusche haben (kein Vorhanggemurkse wo man nachher das ganze Bad putzen muss) und wenn möglich sollte der Preis zwischen 100t und 200t€ liegen.

Vielleicht hat ja jemand eine Idee, was da noch für uns in Frage käme.

Gruß,
Fabian

PS: Ich weiß nicht wie das hier mit Links gehalten wird, sollte aber jemand einen Link zu der Neptunus haben wollen, so gebe ich den per PN raus!

bootpik7
13.08.2008, 08:18
Hallo Fabian,

schaue Dir diesen Link mal an: http://www.jachtbemiddeling.com/

Ich war -wie einige Kollegen auch- vom Angebot begeistert.
Alles sehr sauber und super gepflegt.
Bei einer evtl. Besichtigung solltest 'Du zumindest den Bootstyp finden, der Deinen Vorstellungen entspricht und mit dem Du betr. Preis dann gezielt weitersuchen kannst.

Achte in der Bootsgröße in jedem Fall darauf, das die Möglichkeit besteht, das Boot ca. Mittschiffs zu verlassen. Wenn nicht hast Du in vielen Häfen nur die Möglichkeit rückwärts anzulegen um einigermaßen vernünftig auf den Steg (so denn vorhanden) zu kommen.
Bei z.B. 8 mtr. Steg + 10 mtr. Bootslänge wird es sonst schwierig.

Wünsche Dir viel Erfolg bei der Suche.

Heinz

R.C.Grootveld
13.08.2008, 21:32
Wass zu beachten?

Die meiste GFK Schiffe sind (halb)Gleiter mit schwere Motoren, gebaut für hohe Geschwindigkeiten auf grosse Wasserfläche.

Solche Schiffe sind kaum geeignet für die Holländische Innengewasser, auf solches Wasser ist man besser mit ein Verdränger!
Und die sind meistens aus Stahl. Nicht omsonst, wirden in Holland kaum GFK Motorschiffe gebaut.

Die meisten GFK Schiffe sind mit (zwei)schwere Motoren ausgestattet und fahren bei RPMmin oft schon zu schnell und können kaum ein gerade linie fahren. Dabei braucht so ein Schif bei RPMmin oft schon ein vielvalt an kraftstof als ein Verdränger. Und wegen die grossen Wellen die solche Schiffe machen, macht man of kein Freunden .....

GFK (Halb)gleiter sind nach meiner Meinung nur geëignet für de grosse Flüssen, IJsselmeer, Waddenzee usw und gehören nicht am Jeltesloot oder Sneeker meer. Und ich gehe mit mein verdränger auch nach Vlieland!

In unser Hafen liegt auch ein Deutscher mit ein Bayliner, hatte er damahls gekauft für de Main. Liegt jetzt aber in Friesland und nutz das Boot kaum. 'Ungeeignet für Friesland' hatte er geantworted auf meine frage 'Warum nicht'.

Das Gewässer entscheidet das model schiff und die Wähl ist nach meiner meinung wichtiger als die entscheiding Stahl oder GFK.
Ich denke das man mit Stahl 'alter' wird als mit GFK, aber das ist persönlich

Grüsse von ein Stahlverdränger Kapitän aus Holland

Rob

bootpik7
14.08.2008, 08:28
Wass zu beachten?

Die meiste GFK Schiffe sind (halb)Gleiter mit schwere Motoren, gebaut für hohe Geschwindigkeiten auf grosse Wasserfläche.

Solche Schiffe sind kaum geeignet für die Holländische Innengewasser, auf solches Wasser ist man besser mit ein Verdränger!
Und die sind meistens aus Stahl. Nicht omsonst, wirden in Holland kaum GFK Motorschiffe gebaut.

Die meisten GFK Schiffe sind mit (zwei)schwere Motoren ausgestattet und fahren bei RPMmin oft schon zu schnell und können kaum ein gerade linie fahren. Dabei braucht so ein Schif bei RPMmin oft schon ein vielvalt an kraftstof als ein Verdränger. Und wegen die grossen Wellen die solche Schiffe machen, macht man of kein Freunden .....

GFK (Halb)gleiter sind nach meiner Meinung nur geëignet für de grosse Flüssen, IJsselmeer, Waddenzee usw und gehören nicht am Jeltesloot oder Sneeker meer. Und ich gehe mit mein verdränger auch nach Vlieland!

In unser Hafen liegt auch ein Deutscher mit ein Bayliner, hatte er damahls gekauft für de Main. Liegt jetzt aber in Friesland und nutz das Boot kaum. 'Ungeeignet für Friesland' hatte er geantworted auf meine frage 'Warum nicht'.

Das Gewässer entscheidet das model schiff und die Wähl ist nach meiner meinung wichtiger als die entscheiding Stahl oder GFK.
Ich denke das man mit Stahl 'alter' wird als mit GFK, aber das ist persönlich

Grüsse von ein Stahlverdränger Kapitän aus Holland

Rob

Hallo Rob,

da muß ich Dir fast uneingeschränkt Recht geben. Es gibt aber auch rühmliche Ausnahmen. Ich z.B. habe so eine dieser Ausnahmen und bin
100%ig begeistert. Gute Schiffe in der Art baut z.B. Fairleine. Bei mir im Hafen liegen 2, super viel Platz, 2 Maschinen a ca. 120-130 PS, gute Fahreigenschaften. Durch die Z-Antriebe ist die Innenraumaufteilung sehr gut lösbar (es geht nicht immer rauf/runter). Die Motoren liegen hinten deshalb i.d.R. sehr ruhig im Schiff und super manövrierbar durch Z-Antrieb.
Und es heißt nicht umsonst bei Stahl: 1 Stunde fahren, 1 Stunde anstreichen/pflegen.

Heinz

fabian87
14.08.2008, 16:38
Hehe ich merke schon, Stahl oder GFK ist eine Religion. Nun, aus eigener Erfahrung muss ich sagen, dass ein Stahlschiff schon einiges an Aufwand birgt (Hab jetzt leider keinen Vergleich zu GFK), aber im Endeffekt wird es von vielen GFK'lern oft etwas überspitzt gesehen. Wer sein Boot gut pflegt, kleinere Roststellen sofort im Ansatz eleminiert (das geht oft auch mal in einer ruhigen Minute im Urlaub) und einen ordentlichen Außenanstrich drauf hat, der wird sicher auch nicht übermäßig viel tun müssen.

Ob so ein relativ stark motorisiertes Schiff für die holländischen Gewässer geeignet ist, das habe ich mich auch schon gefragt. Oft sieht man schließlich die Fairlines, Princess, Bayliners und wie sie auch alle heißen unter deutscher Flagge durch die Kanäle bügeln und böse Blicke aller anderen kassieren. Prinzipiell denke ich, dass es mit zwei mal 200PS noch nicht so gravierend sein wird, aber ich ob es im Endeffekt funktioniert muss natürlich immer eine Probefahrt zeigen. Unser Anliegen ist es allerdings auch nicht unbedingt in Gleitfahrt zu kommen, eine viel größere Rolle spielt der Zuverlässigkeitsaspekt und die bessere Manövrierfähigkeit. Unser OM 352 hat uns zwar bis auf einen zugesifften Dieselfilter wg. Sommerdiesels im Winter zwar nie im Stich gelassen, aber mit zwei Maschinen lassen sich Touren zu den holländischen und deutschen Inseln mit etwas ruhigerem Gewissen machen. Zwei etwas schwächere Motoren wären daher schon toll.

@Heinz:
Vielen Dank für den Link! Das Angebot ist wirklich ziemlich groß und die Schiffe machen einen guten Eindruck. Leider sind es oft nur die sehr rudimentär ausgestatteten Mietschiffe die dieser Makler anbietet wie mir scheint.
Falsch kann man zwar damit sicher nicht viel machen, auch in Anbetracht der vernünftigen Preise, aber wie ja bereits gesagt, etwas mehr Ausstattung wäre wirklich schön.
Aber das ist wohl mehr eine Frage der wir selbst auf den Grund gehen müssen, was genau da für uns in Frage kommt. ;)

Ich hatte letztens noch einen deutschen Makler "hr-yachting" gefunden, welcher sehr gute Exposées der Schiffe bietet und überdies auch besser ausgestattete Schiffe im Programm hat. Hat damit jemand Erfahrungen gemacht?


Gruß,
Fabian

R.C.Grootveld
14.08.2008, 20:52
Durch die Z-Antriebe ist die Innenraumaufteilung sehr gut lösbar (es geht nicht immer rauf/runter). Die Motoren liegen hinten deshalb i.d.R. sehr ruhig im Schiff und super manövrierbar durch Z-Antrieb.
Und es heißt nicht umsonst bei Stahl: 1 Stunde fahren, 1 Stunde anstreichen/pflegen.

Heinz,

ich denke du hast recht für die altere schiffe, die moderne (=neuer) stahl verdranger haben ein interior fas wie die GFK schiffe. Stahlverdranger sind im algemein meistens 1.5 bis 2 mahl so schwer als GFP, liegen also tiefer ins wasser mit dem motor unten im raum. Insache die treppe hast du recht mit die 'hinter kajute' modellen, unser ist ein 'offene pflicht' und hat nur ein (1) treppe: zwischen salon und küche/hütte. Und die meisten GFK schiffe haben auch viel treppen. Und weil die motor relativ wenig rpm macht, sind sie auch seht leise. Ich mache nur selten mehr als 1600 rpm.

Aber es ist natürlich hauptsachlich eine personliche sache. De meisten GFK schiffe, einige Skandinavische ausgenommen, sind nicht meine.
Deshalb haben wir uns entgültig entschlossen ein stahlverdränger bauen zu lassen.

Viel spass aufs wasser